Der Archipel der Enthemmten

Über alternative Rechte, reaktionäre Linke und den „cultural war“ in den USA

von Felix Schilk und Tim Zeidler

Eine verbreitete Erklärung für den fulminanten politischen Aufstieg des Donald Trump lautet, dass seine Wählerbasis sich aus den enttäuschten und abgehängten, weißen und zumeist männlichen Reservearbeitern der deindustrialisierten Regionen rekrutiere, die zu den großen Verlierern des flexiblen und globalisierten Kapitalismus gehören, obwohl sie einst die demographische Mehrheit der Vereinigten Staaten stellten. In der an den Imperativen des Weltmarktes orientierten Politik der Demokraten und Republikaner sei heute kein Platz mehr für diese konservativen Sozialcharaktere und ihre anachronistischen Interessen, was Trump mit seiner politischen Zeitreise in die Vergangenheit zu nutzen wisse. Aus seinem „Make America great again“ spreche demnach die Sehnsucht nach einer Zeit, in der rege Arbeitsdisziplin und das emsige Verfolgen des american way of life noch mit verlässlichem sozialen Aufstieg in die Vorortsiedlungen vergütet wurden, während die strukturell rassistischen Selektionskriterien des Bildungssystems diese Privilegien absicherten. Der Archipel der Enthemmten weiterlesen