Unter Reichsbürgern

Lesung und Gespräch mit Tobias Ginsburg

18 Uhr | Kulturcafé Frösch (Salzunger Str. 6, 36448 Bad Liebenstein)

Wer sind diese Reichsbürger? Und weshalb findet ihre Vorstellung, die Deutschen seien Opfer einer weltweiten Verschwörung, so viele Anhänger? Der junge jüdische Autor Tobias Ginsburg schleicht sich bei ihnen ein – und erfährt Seltsames und Beängstigendes über gewaltbereite Neonazis und lichtumspülte Esoteriker, Verschwörungstheoretiker, Sektierer und rechte Politiker. Er schließt sich verschiedenen Gruppierungen an, sitzt am Lagerfeuer und an Stammtischen, wird Mitglied eines selbstausgerufenen Königreichs und plant mit bei unheilvollen Projekten zum Sturz der Regierung. Das Buch “Die Reise ins Reich. Unter Reichsbürgern” ist eine Reportage über Macht, Wahnsinn und Rechtsradikalismus, das Porträt von verzweifelten Menschen und bösen Verführen, aber auch die Geschichte einer aberwitzigen und grausig komischen Abenteuerreise.

Tobias Ginsburg, geboren 1986 in Hamburg, ist Autor und Theaterregisseur. Seit 2007 schreibt und inszeniert er Theaterstücke, wobei politische und gesellschaftliche Themen im Vordergrund seiner Texte, Arbeiten und oft aufwendigen Recherchen stehen. Im März 2018 erschien mit „Die Reise ins Reich“ sein Buchdebüt.

Moderation: Felix Steiner ist Mitarbeiter bei MOBIT – Mobile Beratung in Thüringen. Ziel der Arbeit von MOBIT ist die Stärkung des bürgerlichen, demokratischen Engagements in Thüringen und die konkrete Auseinandersetzung mit allen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus. Darüber hinaus informiert MOBIT über aktuelle Entwicklungen in der rechtsextremen Szene.

Veranstalter: Dissens. Forum für Kritik und Bildung ist eine im Herbst 2018 gegründete Initiative junger Menschen aus Bad Liebenstein, Leipzig und Zwenkau. Gemeinsam wollen wir in den vom urbanen Kulturbetrieb oft abgehängten ländlichen Gebieten Ostdeutschlands politische und kulturelle Bildungsveranstaltungen organisieren und kritisch über die Gegenwartsprobleme des sozialen Zusammenlebens diskutieren.

Ausschlussklausel: Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Versammlung ausgeschlossen.

Die autoritäre Revolte in Ostdeutschland

Vortrag und Diskussion mit Matheus Hagedorny und Felix Schilk

11. Januar 2019 | 19.30 Uhr | Kulturkino Zwenkau (Hugo-Haase-Str. 9, 04442 Zwenkau)

25. Januar 2019 | 18 Uhr | Kunstschule Schweina (Salzunger Str. 6, 36448 Bad Liebenstein)

***Hinweis: In Schweina findet die Veranstaltung im neuen Gebäude der Kunstschule in der Salzunger Str. 6 statt (ehem. Grundschulgebäude).***

Im Feuilleton der deutschen Presselandschaft wurde in den vergangenen Monaten wieder verstärkt über den Begriff der „konservativen Revolution“ diskutiert, der eigentlich verschiedene völkisch-nationalistische Gruppierungen der Zwischenkriegszeit beschreibt. Ins Spiel gebracht hatte ihn der CSU-Politiker Alexander Dobrindt in einem Artikel für die Tageszeitung Die Welt. Er schrieb darin anerkennend, dass „eine konservative Revolution der Bürger“ und die „Besinnung auf Tradition und Werte“ im Gange sei. Auch Alexander Gauland, seines Zeichens Bundessprecher der AfD, machte sich jüngst diese Aufstandsrhetorik zu eigen, als er in einem Interview mit der FAZ einer friedlichen Revolution „gegen das politische System“ das Wort redete. Mit dieser Beschwörung einer notwendigen Revolution von Rechts, versuchen die beiden sich als konservativ verstehenden Politiker einer Entwicklung beizuspringen, die in der kontroversen Debatte um Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ im Jahr 2010 einen ihrer Ausgangspunkte hatte und die seit 2013 zunehmend auch auf deutschen Straßen wahrnehmbar ist. Damals hatten im sächsischen Schneeberg mehrere Tausend „besorgte Bürger“ gemeinsam mit Neonazis unter der Führung eines lokalen NPD-Politikers gegen die Schaffung einer Asylunterkunft demonstriert. Diese sogenannten „Schneeberger Lichtelläufe“ boten die Blaupause für eine ganze Reihe von fremdenfeindlichen Protestgruppen, die sich im Zuge der Fluchtbewegung im Jahr 2015 zu einem Großprotest unter der Führung der Dresdner Pegida-Initiative auswuchsen. Befeuert durch diese Proteste und unterstützt durch die geschickte Selbstinszenierung rechter Publizisten entspinnt sich seither eine politisch-mediale Debatte, in der auch dezidiert rechte politische Begriffe und Konzepte ein Revival erleben.

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